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Die Historie von Schlossinsel und Binnenhafen: Ein Stück Harburg im Wandel der Zeit.

Leben auf der Schlossinsel bedeutet Leben auf historischem Grund. Das rund 33 Hektar große Gebiet spiegelt die Entwicklungsgeschichte Harburgs so intensiv wider, dass man es faktisch aus dem Hafengebiet ausklammerte und 1988 unter Denkmalschutz stellte.

Schlossinsel und Harburger Schloßstraße

Der markante Grundriss der Schlossinsel zeigt noch heute die Form der mittelalterlichen Zitadelle. Genau hier beginnt, mit der Grundsteinlegung der Grenzfestung Horeburg, die Geschichte Harburgs. Die Festung wurde in den Kämpfen des 11. und 12. Jahrhunderts um die Grafschaft Stade mehrfach zerstört und wiederaufgebaut, bevor sie schließllich in den Besitz der Welfenherzöge überging. Der erste Steinbau der Festung ist für das Jahr 1396 belegt. Teile eines in dieser Zeit wieder aufgebauten „stenwerks“, also eines turmartigen Gebäudes, sind heute Teil eines immer noch genutzten Mietshauses.

Im 16. Jahrhundert baute Herzog Otto I. von Braunschweig-Lüneburg die Horeburg zum Renaissanceschloss mit drei Flügeln aus, doch mit dem Machtwechsel kam gleich die nächste Veränderung: In der Endphase des Dreißigjährigen Krieges beschloss die nachfolgende Regierung, die Schlossinsel zu einer fünfeckigen Zitadelle umzufunktionieren. Das Nordende der Schlossstraße musste dem Festungsbau weichen. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Hamburg–Harburg im Jahr 1872 verlor die Schloßstraße weiter an Bedeutung, der einstmals belebte Stadtkern verwaiste zusehends und fiel schließlich in einen Dornröschenschlaf. Im Harburger Schloss siedelte sich bis 1897 der Amtsgerichtshof an, während ringsum an den Inselkanten langsam erster Hafenbetrieb entstand. Ab 1898 nutzte man das Gelände zunehmend als Werft, während die Räumlichkeiten des ehemaligen Schlosses zu Wohnungen umgebaut wurden. 

Im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der Werftanlagen und auch der Wohngebäude zerstört und nur teilweise neu errichtet. Andere Teile des Binnenhafens wiederum werden noch heute aktiv genutzt.

In den letzten Jahren rückte die Harburger Schlossinsel wieder in den Fokus des städtebaulichen Interesses und wurde zum Anziehungspunkt für verschiedene Branchen. Zu attraktiv ist die Lage, zu besonders die Geschichte dieses Teils von Hamburg-Harburg, um sie ungenutzt zu lassen. Und heute haben Sie die Möglichkeit, als Bewohner der Marina diesen neuen Lebensabschnitt der Schlossinsel mitzuerleben!

Der Harburger Binnenhafen

Ihrem Binnenhafen hat die Stadt Harburg entscheidende Impulse zu verdanken. Hätte man ihn Mitte des 19. Jahrhunderts nicht ausgebaut, wären wichtige wirtschaftliche Handelswege des Gebietes verkümmert. Denn bis ins beginnende 19. Jahrhundert hinein diente dem kleinen, aber für Harburg entscheidenen Warenumschlag nur ein kleines Hafenbecken am Südende des Kaufhauskanals. Erst als die Festung Harburg nach dem Ende der Napoleonischen Besatzungszeit (1806–1814) ihre militärische Funktion endgültig verloren hatte, war der Weg zur weiteren Entwicklung Harburgs frei. Der wirtschaftliche Aufschwung führte zu einem Boom der Handelsbeziehungen – und schon bald war der kleine Harburger Hafen dem Ansturm nicht mehr gewachsen. Mit der Erweiterung des Kaufhauskomplexes am Kaufhauskanal 1826 wurde eine erste, wenn auch ungenügende Anpassung an den zunehmenden Transit- und Speditionsverkehr vorgenommen.

Hafenausbau

Ausschlaggebend für die Expansion des Harburger Hafens war die Planung, Harburg via Eisenbahn an das Streckennetz der Hannoverschen Lande anzuschließen. Der Bau eines Kopfbahnhofes auf dem Gelände zwischen dem heutigen Schellerdamm und dem Östlichen Bahnhofskanal machte den Hafenausbau notwendiger denn je, und schon im Juni 1845 konnte mit den Arbeiten begonnen werden.

Unter Nutzung der ehemaligen Festungsgräben entstanden zwei große Hafenbecken. Wie sein Vorgänger war auch der neue Hafen durch zwei Schleusen zu erreichen. Man entschied sich für den Bau eines solches Dock- bzw. Schleusenhafens nach englischem Vorbild, weil er komplett tideunabhängig ist. Die Hafenbecken bleiben so jederzeit schiffbar und versanden kaum; außerdem werden die Kaimauern weniger belastet. Diese Technologie ist bis heute in Gebrauch.

Ansiedlung von Industriebetrieben

Mit dem neuen Hafen florierten Schiffahrt und Handel in Harburg. Doch auch für Industriebetriebe aus dem weiteren Umland erwies sich der Standort Harburg in den folgenden Jahren als vorteilhaft. Ein Argument für deren Zuzug waren natürlich die guten Verkehrsanbindungen via Bahn und Schiff – aber auch die Zugehörigkeit Harburgs zum deutschen Zollverein (und damit der zollfreie Absatz von Waren im deutschen Hinterland) spielte eine entscheidende Rolle.

Weil das nahe gelegene Hamburg all das nicht zu bieten hatte, verlegten viele Hamburger Unternehmer ihre Fabriken nach Harburg. 1856, im „Explosionsjahr“ der Harburger Industrie, siedelten sich hier gleich zwei der später größten Harburger Gummifabriken an.

Doch nicht nur die Fabriken selbst profitierten von Harburgs Vorteilen; auch Zulieferer, Abnehmer und andere Hilfsgewerbe der verschiedenen Branchen siedelten sich erfolgreich im Industriegebiet an. Die Werftanlagen des Hafengebiets bauten dabei nicht nur Schiffe für den Transport von Rohstoffen und Produkten, sondern übernahmen mit ihren angegliederten Maschinenfabriken auch Reparaturaufträge. Dabei entwickelte sich die Zitadelleninsel zum Zentrum des Harburger Schiffbaus.

Hafenerweiterungen der 1890er Jahre

Was sich schon in den 1870er Jahren abgezeichnet hatte und unter anderem zum Neubau der östlichen Schleuse geführt hatte, wurde im Laufe der 1880er Jahre immer offensichtlicher: Der Hafen genügte den gestiegenen Anforderungen des Schiffsverkehrs und der Industrie nicht mehr. Lange Wartezeiten für das Be- und Entladen der Schiffe sowie ein Stillstand bei der Ansiedlung neuer Industriebetriebe waren die Folge – es musste schnell gehandelt werden.

1889 verfasste der damalige Stadtsyndikus und spätere Bürgermeister Heinrich Denicke gemeinsam mit dem späteren Senator Osterhoff eine „Denkschrift für die Erweiterung des Hafens“. Man trieb die Arbeiten so energisch voran, dass sämtliche Baumaßnahmen bereits 1895 abgeschlossen waren. Der Binnenhafen hatte nun mit ca. 27 Hektar Wasserfläche und nahezu 10 Kilometern Uferlänge seine größte Ausdehnung erreicht. Rund 3.700 Meter der an 8.000 Meter Uferlänge gelegenen Lade- und Lagerplätze waren mit Eisenbahnschienen versehen, und etwa 40 staatliche Kräne sorgten (zusammen mit einer Vielzahl privater Krananlagen) für das zügige Be- und Entladen der Schiffe.

Expansion der Industrie

Solchermaßen ausgestattet, zog der Binnenhafen seit den 1890er Jahren neue Unternehmen an. In dieser Phase erhielt vor allem die Pflanzenölindustrie Zuwachs, da ihre Rohstoffe nun verstärkt auch für die Herstellung von Margarine und anderen Lebensmittelfetten gefragt waren. Auf der Schlossinsel wurde von Friedrich Thörl jr. eine Fabrik mit dem Namen „Citadelle“ gegründet.

Entwicklungen in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Das Binnenhafengebiet hatte zur Jahrhundertwende seine größte Besiedlungsdichte erreicht. Es war im Wesentlichen geprägt von den aus rotem Backstein errichteten Fabrikhallen und -anlagen. Überall ragten Schlote in den Himmel; sie waren die weithin sichtbaren Symbole für die blühende Harburger Industrie.
Der Erste Weltkrieg forderte in der Harburger Wirtschaft viele Opfer. Während kleinere Firmen besonders stark von den Auswirkungen des Krieges getroffen waren, überstanden Großbetriebe die Krise relativ unbeschadet durch eine Umstellung ihrer Produktion auf kriegswichtige Güter. Zu den „Gewinnern“ zählte zum Beispiel die Firma Thörl, deren Ölprodukte unter anderem für die Glyzerinherstellung wichtig waren. So konnte das Unternehmen schon 1920 die neue Weberei in der Harburger Schloßstraße errichten, die dem Straßenzug ein modernes, industrielles Gesicht gab. Im selben Jahr entstand das heute als Hansen-Speicher bekannte Thörl-Silo auf der Zitadelleninsel, in dem wir Ihnen 30 attraktive Eigentumswohnungen anbieten.

Bis zum Börsencrash 1929 erholte sich die Harburger Industrie, war von der anschließenden Weltwirtschaftskrise jedoch umso stärker betroffen. Am 5. Juli 1934 wurde Harburg zur Notstandsgemeinde erklärt.
Unter Führung der NSDAP trat im Jahr 1933 das Reichsnährgesetz in Kraft. Es regelte die gesamte landwirtschaftliche Produktion des Reiches einschließlich Verteilung und Lagerung der Nahrungsmittel. Ziel war eine hundertprozentige Autarkie in der Lebensmittelproduktion. Diese neuen Anforderungen führten zu neuen Veränderungen im Binnenhafengebiet.
So entstanden zum Beispiel weitere Silos. Ein bekanntes Beispiel ist das 1936 am Holzhafen errichtete Silo, welches in erster Linie zur Lagerung von Reichsgetreide diente. Weitere Silobauten und Lagerhallen baute man zwischen 1934 und 1940 am Ziegelwiesenkanal, am heutigen Schellerdamm und an der Nartenstraße (heute Veritaskai).

Die schwersten Angriffe während des 2. Weltkrieges richteten sich vor allem gegen die Harburger Mineralölindustrie im Hafengebiet. Völlig zerstört wurden unter anderem Anlagen und Werkshallen auf der Zitadelleninsel, einige Betriebe an der Blohmstraße, Häuser in der Harburger Schloßstraße (darunter das ehemalige Rathaus) sowie die nördlichen Kaianlagen am Lotsekanal.

Nach Überwindung der Nachkriegskrise setzte in den 1950er Jahren auch in Harburg die „Wirtschaftswunderzeit“ ein. Sie bescherte dem Binnenhafengebiet eine letzte industriell geprägte Blüte. Seit den 1960er Jahren setzte der allmähliche Rückzug der Industrie alten Zuschnitts ein und hinterließ brachliegende Gebäude und Flächen.

Heute erlebt der Harburger Binnenhafen einen rasanten und völlig neuen Aufschwung. Denn erstmals ist er auch Schauplatz städtebaulicher Wohnplanung – ein ebenso attraktives wie spannendes Vorhaben.